Luxusdienst Auslandsgespräch
Die Mobilfunkanbieter bieten sich aktuell eine Schlacht um die billigsten Telefongebühren. Man wird überhäuft mit preisgünstigen Flatrates und anderen Tarifen, die einem kostenloses Telefonieren ins deutsche Festnetz und bestimmten Netzen ermöglichen.
Ein Aspekt wird jedoch konsequent vernachlässigt: das Telefonieren im Ausland. Das war und ist noch immer teuer. Doch was ist der Grund dafür? Warum stellt man inländische Kommunikation in solchen Wettbewerb und vernachlässigt dabei das Ausland?
EU-Pläne
Die EU-Kommission hat das Problem der hohen Kosten mit der Konsequenz der starken Verschuldung erkannt und im Internet eine Seite eingerichtet, auf der die Auslandstarife sämtlicher Betreiber der 25 EU-Mitgliedstaaten veröffentlicht werden. Die Absicht ist, die Kosten durchsichtiger zu machen und der überraschend hohen Rechnung nach dem Auslandsaufenthalt ein Ende zu setzten.
Warum so teuer?
Die jeweiligen Mobilfunkanbieter rechtfertigen ihre hohen Gebühren mit den Kosten für das so genannte Roaming, also das Telefonieren in einem fremden (ausländischen) Netz. Ein Anbieter aus Deutschland muss an seinen Partner im Ausland für die Nutzung dessen Netzes bezahlen und diese Kosten gibt er natürlich an den Endverbraucher weiter. Deshalb bezahlt man auch, wenn man im Ausland angerufen wird, da man auch hier das fremde Netz in Anspruch nimmt.
Kosten
Sowohl über Vertrag als auch über Prepaidkarten können Telefonate aus dem Ausland getätigt werden. Die jeweiligen Gebühren hängen sowohl von den Tarif-Konditionen, als auch vom ausländischen Netzanbieter ab. Spitzenreiter innerhalb Europas ist Frankreich. Hier kann einen in der Hauptzeit eine Minute nach Deutschland bis zu 1,26 Euro kosten. Die durchschnittlichen Minutenpreise der anderen EU-Staaten pendeln um 80 Cent. SMS liegen bei ca. 30-40 Cent.
Aussicht
Vorreiter in Sachen auslandfreundliches Telefonieren ist Vodafone mit seinem „Reiseversprechen“. Wenn man diese Option bei Vertragsabschluss kostenlos hinzubucht, kann man in 33 Ländern zu Deutschlandtarifen telefonieren. Man zahlt jedoch zusätzlich eine Pauschale von 75 Cent pro Gespräch.
Auch bei anderen Anbietern kann man seine Handyrechnung unter Kontrolle behalten. Man kann Kosten sparen, indem man mit seinem Handy manuell den Anbieter wählt, da das automatisch gewählte Netz nicht immer das günstigste ist. Bei Überschreitung der Grenzen erfolgt im Mobiltelefon automatisch die Umstellung auf das ausländische Netz. Im Menüpunkt automatische Netzwahl kann man die derzeit verfügbaren Netze überprüfen und die Entscheidung selbst treffen. Bei vielen Handys kann man eine Vorauswahl einstellen.
EU-Gesetzesvorgabe
Da die Mobilfunkanbieter in der Vergangenheit kaum Tendenzen zeigten, die Auslandstarife zu senken, schreitet nun die EU-Kommission ein. Rechtzeitig zum Sommer sollen nun neue Regelungen per Gesetz beschlossen werden, damit das Telefonieren im Ausland der Urlaubsfreude keinen Abbruch tut.
Dabei ist im Gespräch, die Tarife pro Minute auf 50 Cent für ein abgehendes und 25 Cent für ein ankommendes Gespräch zu begrenzen. Dies ist durchaus gerechtfertigt, denn bisher war das Telefonieren im Ausland durch die Anbieter künstlich überteuert. Laut Studien zahlten die europäischen Handybenutzer rund 3,5 Mio. Euro mehr an Roaming Gebühren als eigentlich nötig. Die Betreiber sahen hier wohl eine Goldgrube zu Lasten von Urlaubern und Geschäftsreisenden. Auch Verbraucherschützer unterstützen das Vorhaben der EU-Kommission und beschleunigen die Umsetzung.
Noch im Mai dieses Jahres soll ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden. Verläuft alles wie geplant, kann man noch in diesem Jahr sein Handy mit gutem Gewissen im Urlaub nutzen. Höchstwahrscheinlich wird zukünftig auch vermehrt der Auslandstarif als wichtiger Aspekt im Preiswettbewerb der Mobilfunkanbieter integriert.
