Windhorst

1994 gründete der 18-Jährige Lars Windhorst im westfälischen Rahden die „Windhorst Electronics GmbH“ und avancierte eine zeitlang zum Wunderkind der deutschen Wirtschaft, mit dem sich Größen aus Politik, Wirtschaft und Show-Business wie der damalige Kanzler Helmut Kohl, Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking oder Hollywood-Star Michael Douglas umgaben. 10 Jahre später meldete Windhorst sowohl Firmen- als auch Privatinsolvenz an.

Von Kanzler Kohl gefeiert

In der Anfangsphase seiner Unternehmungen (Windhorst setzt in der Spitze rund 90 Millionen Euro um) imponiert Windhorst besonders Kanzler Kohl. Der BRD-Regierungschef aus Oggersheim (”Windhorst ist der Asien-Pionier der deutschen Wirtschaft”) lädt das damalige westfälische Wirtschafts-Ass sogar zu einer China-Reise ein. Kanzler Kohl feiert Windhorst und nennt ihn den “deutschen Bill Gates”.

Abitur geschmissen

Bereits drei Jahre vor der offiziellen Firmengründung ist Windhorst wirtschaftlich aktiv. Er kauft in Fernost Computer-Teile und baut sie zusammen. Die Produkte kann Windhorst zu absoluten Dumping-Preisen anbieten und verkaufen, weil er mit den asiatischen Abnehmern direkt um die Konditionen feilscht. Windhorst hatte sich von seinem Vater 100.000 DM geborgt, um damit die Rechner-Komponenten zu erwerben, die er danach zusammenbastelt. Dafür schmeißt Windhorst sogar das Abitur, verlässt in der 11. Klasse das Gymnasium.

Dependancen in Europa, China und Vietnam

Es dauert nicht lange und Windhorst eröffnet Dependancen in Europa, China und Vietnam. Auch in Honkong hat Windhorst ein Büro, das ihn “schlappe” 40.000 DM Monatsmiete kostet.

Der Douglas aus Hollywood fliegt ein

Im Jahr 2000 haut Windhorst dann zum letzten Mal so richtig auf den Putz. Er eröffnet am Potsdamer Platz 1 in Berlin ein Büro und fabuliert vom “Windhorst-Center”, das dort bald entstehen sollte und verspricht 600 neue Arbeitsplätze. Da düst sogar Michael Douglas aus Hollywood in die deutsche Hauptstadt. Die Film-Ikone ist damals “gut Freund” mit Lars und sogar dessen Geschäftspartner.

Absturz der New Economy lässt auch Windhorst untergehen

Kurz darauf stürzt die New Economy in eine schwere Krise, in deren Strudel auch die Windhorst Electronic GmbH absäuft. Die Mitarbeiter müssen lange auf Löhne und Gehälter verzichten. Erst nach der Androhung von Zwangsvollstreckung werden die ausstehenden Gelder überwiesen. Doch nicht nur der Firma steht das Wasser bis zum Hals, auch Windhorst selbst ist bald arm wie eine Kirchenmaus. 2002 muss das Stammhaus in Rahden geschlossen werden. Im Mai 2003 legt der ehemalige Vorzeige-Unternehmer eine eidesstattliche Versicherung ab. Nach diesem privaten Offenbarungseid (Windhorst schuldet 55 Gläubigern 63 Millionen Euro) musst Windhorst anschließend auch noch für die Windhorst AG, die Windhorst Capital Holding GmbH und die Windhorst Electronics GmbH Insolvenz anmelden.

Im Zuge dessen ermittelt die Staatsanwaltschaft vierfach gegen Windhorst wegen des Verdachts auf Betrug in Millionenhöhe. Im Februar 2006 wird ein Ermittlungsverfahren eingestellt, am 25. August 2005 war zuvor bereits das private Insolvenzverfahren “erfolgreich” abgeschlossen worden. Doch Unkraut vergeht nicht: Seit September 2006 zeichnet sich Lars Windhorst für den britischen Fonds Sapinda International verantwortlich und sitzt der Vatas Holding GmbH (Berlin) als Geschäftsführer vor.

Handys floppten

Auch die Flops auf dem Mobilfunk-Markt waren mitverantwortlich für das Windhorst-Desaster. Das Windhorst-Handy WE-H1 sollte 2002 300 Euro kosten. Aber das GPRS-Gerät ging auf dem Markt total unter, lag wie Blei in den Regalen.

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