Grundig
Wer an Grundig denkt, dem schwebt vermutlich ein Radio, TV-Gerät oder Video-Rekorder vor. Doch das Unternehmen aus dem Frankenland war weit facettenreicher aufgestellt.
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
1930 begann die Firmengeschichte. Der Radiohändler Max Grundig gründete im fränkischen Fürth den Radio-Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer. In der Folgezeit machte Grundig mit der Produktion von Radios Furore und war in den 1950er Jahren Europas größter Rundfunkgerätehersteller. Grundig wurde zum Synonym des deutschen Wirtschaftswunders.
Als aber Firmengründer Max Grundig das Unternehmen 1984 an Philips verkaufte, begannen die schlechten Zeiten. Denn der niederländische Elektronikkonzern war mit der defizitären Errungenschaft extrem unzufrieden und stieß Grundig 1998 an ein bayerisches Konsortium unter Führung von Anton Kathrein wieder ab. Doch der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. 150 Millionen Euro Verlust in 2002 sorgten dafür, dass die Banken den Geldhahn zudrehten - Mitte April 2003 blieb nur noch der Gang zum Insolvenzverwalter. Die Belegschaft schrumpfte von 38.000 Beschäftigten (Ende der 1980er Jahre) auf 3.500 Mitarbeiter (2003).
Im Januar 2004 übernahmen der britische Konzern Alba Radio Ltd. und Beko Electronic A.S. (Türkei) die Bereiche Intermedia System und Konsumelektronik von der insolventen Grundig AG. Die beiden Unternehmen blätterten rund 80 Millionen Euro auf den Tisch. Seitdem firmiert diese Sparte des britisch-türkischen Konsortiums unter Grundig Intermedia.
Großes Sortiment
Dabei hatte Grundig immer ein großes Sortiment zu bieten. Zur Produkt-Palette zählten beispielsweise Diktiergeräte, Fernseher, HiFi-Anlagen, Radios, Rasierer, Tonbandgeräte, Videorecorder, Videoüberwachungsanlagen.
Handy-Überraschung
Trotz der ständigen Eskapaden mit Übernahmen, Abstoßung und Zerschlagung des Unternehmens hielt die Mobilfunkbranche zu Beginn des Jahres 2005 den Atem an. Denn Grundig Intermedia stieg in Kooperation mit dem spanischen Telekommunikationsunternehmen Vitelcom überraschend in den Mobilfunkmarkt ein. Bereits auf der CeBIT 2005 präsentierte die neue Grundig mobile erstmals Mobilfunkgeräte. Sechs neue Grundig-Handys sorgten für großes Aufsehen bei der interessierten Weltöffentlichkeit.
Die Modelle A110 (Einsteigerhandy mit Farbdisplay), M130 (Kamera, MP3 Player, Java-Gaming), M240 (1,3 Mega-Pixel-Kamera mit Zoom, verschiedene Bildbearbeitungsfunktionen, TFT-Farbdisplay, Videoaufnahme- und Wiedergabefunktion), G342i (Kamera, TFT-Farbdisplay, FM Radio), G402i (TFT-Farbdisplay, MMS, Freisprecheinrichtung, Video-Downloading, Aufnahme, Wiedergabe, Diktiergerät, FM Radio, Infrarotschnittstelle, USB, Bluetooth) und C310 (attraktives Klappgehäuse, Kamera, MMS, eMail, Diktiergerät, Gaming) sorgten am Grundig-Stand für lange Schlangen.
Wahnsinns-Wachstum
Es begann ein wahrer Run auf die Grundig-Handys, der für ein Wahnsinns-Wachstum sorgte. In Malaga, der Grundig-Mobilfunkproduktionsstätte, waren die Herstellungskapazitäten rasch ausgeschöpft, eine zweite Handy-Fabrik musste errichtet werden. So gab Grundig auch auf der CeBIT 2006 mächtig Gas und stellte die viel beachteten Modelle G550i, X3000, A155 und A115 vor.
Sechs-Megapixel-Wunder
Doch damit nicht genug. Mitte des Jahres 2006 wunderte sich die Branche über einen weiteren Grundig-Knaller: Das Grundig-Klapphandy X5000 wartet mit satten 6 Megapixeln auf. Viele Handy-Hersteller versuchten sich bereits an der perfekten Symbiose von Handy und Digitalkamera und Grundig gelang mit dem X5000 dieser schwierige Spagat. Der vierfache optische Zoom sorgt für eine brillante Bildqualität. Durch den seitlich drehbaren Bildschirm kommt Camcoder-Feeling auf, denn mit dem X5000 lassen sich natürlich auch Videos drehen. Das Außendisplay besticht in 65.000 Farben. Doch nicht nur darauf können die Aufnahmen bestaunt werden. Das 118 Gramm leichte Wunderwerk besitzt einen TV-Ausgang, so dass man Schnappschüsse und Videos gleich am heimischen Fernseher anschauen kann. Fazit: Einfach wunderbar.
